Rundreise im Osten der Mongolei

2025 stand wieder einmal im Zeichen der Mongolei.
Nach der Zentralmongolei (2008) und dem Altai im Westen (2012) waren wir diesmal im Osten, zunächst entlang der Grenze zu Russland und auf dem Rückweg entlang der Grenze zu China unterwegs; wieder bestens von Knut-Reisen organisiert.

Ursprünglich wollten wir bis in den äußersten Osten der Mongolei, aber auf der Höhe von Choibalsan drehten wir in südliche Richtung zur chinesischen Grenze. Unsere zeitliche Begrenzung von vier Wochen passte mit den Pistenverhältnissen nicht zusammen. Maximal 150km an einem Reisetag sollte man sich vornehmen, um diese schöne Landschaft genießen und durchwandern zu können.

Los geht es in der Mongolei ja meist in Ulaanbaatar, und diesmal hatten wir das Glück beim Naadam bzw. bei den Ringkämpfen im Stadion als Zuschauer dabei sein zu dürfen. Die Wettkämpfe sind umrahmt von einem nationalen Volksfest zu dem die mongolischen Familien in ihren traditionellen Gewändern pilgern - ein schönes Erlebnis (und nicht vergleichbar mit z.B. dem Oktoberfest mit Lederhosen und Dirndln aus Plastik).

 

 

Naadam (mongolisch : Наадам, Spiel oder Wettbewerb) ist das Nationalfest der Mongolei, bestehend aus den drei traditionellen mongolischen Sportarten Ringkampf, Bogenschießen und Pferderennen

Traditionelle mongolische Tracht 

 

 

Jigjidiin Mönkhbat, olympischer Silbermedaillengewinner und nationaler Ringer-Großmeister (Avarga)

 

 

Seit unserem ersten Aufenthalt in Ulaanbaatar 2008 ist die Hauptstadt fast nicht wieder zu erkennen. Keine ungepflasterten Straßen/Pisten mehr, alles schön asphaltiert und mit Trottoir. Ampeln, Zebrastreifen und Autos, die sich an die Regeln halten. Der wilde Osten hat sich "angepasst".
Und auch die Restaurants (z.B. Great Mongol Restaurant & Pub, Broadway Obsidian) haben sich dem westlichen Standards angepasst mit vielen Varianten auf der Speisekarte, aber dennoch authentisch. Das war 2008 noch alles etwas "wild" und mongolische Begleitung fürs Bestellen durchaus sinnvoll.

 

Man trifft auch auf viele junge Mongolen, die das Gespräch - auf Englisch oder auch Deutsch - suchen und wissen wollen, warum man sich für die Mongolei interessiert und sehr erstaunt sind, dass wir schon zum dritten Mal hier sind.

 

Nach einer Nacht im Hotel ging es dann  los in die Wildnis: Im UAZ "Buchanka" (russisch für "Kastenbrot"), neben modernen Jeeps in der Mongolei das häufigste und vermutlich auch zuverlässigste motorisierte Transportmittel und mit unserer Reisebegleitung: Otschroo, Gaanaa und Moogii (nur Doppelvokale werden ausgesprochen) - Fahrer, Köchin und Reiseführerin waren die angekündigten, nüchternen Bezeichnungen. Aber ihre Kompetenzen gingen weit über das Fahren, Kochen und Führen hinaus und vor allem waren sie zusammen ein großartiges Team, das uns durch ihre Heimat begleitete.

Übernachtet wurde überwiegend in Zelten, manchmal auch in Jurten-/Ger-Camps, die allerdings im Osten der Mongolei sehr, sehr einfach und fast ausschließlich für mongolische Urlauber konzipiert sind (kein fließendes Wasser, keine Restaurant-Jurte, ausschließlich Plumpsklos). Der nicht-mongolische Tourismus scheint sich auf den Bereich westlich von Ulaanbaatar zu konzentrieren, im Wesentlichen die Gegend unserer 2008er Reise.

 

Für die Suche nach den geeigneten Zeltplätzen - überwiegend mitten in der Steppe, aber immer in der Nähe von Nomaden, deren Jurten man meist nicht gesehen hat, die uns aber zuverlässig besuchten und einfach nur wissen wollten woher und wohin die Reise geht - hatte Otschroo, unser Fahrer, ein schönes Ritual: er bog von der Piste ab, fuhr einen oder mehrere Hügel rauf, suchte nach einem geeigneten Platz (plan für die Zelte und möglichst wenig Steine), mit ausreichend Wind gegen die Insekten, aber nicht zu stürmisch für Gaanaa, die täglich dreimal für uns köstliches Essen aus frischen Zutaten zauberte, und natürlich mit einer schönen Aussicht für uns Touristen. Mit einer 360°-Runde und allen UAZ-Insassen wurde die richtige Wahl überprüft, vorgestellt und "genehmigt".

Oft werden wir gefragt, warum wir so gerne in die Mongolei fahren, da ist doch nichts, nur Steppe und Ödnis. Das stimmt aber nicht. Natürlich ist da Ödnis im Sinne von wenig bis gar keine Infrastruktur. Aber dafür gibt es alleine schon die Steppen betreffend eine Vielzahl von vor allem zu riechenden Varianten: Gras-, Zwiebel-, Wacholder-Steppe etc. und davon natürlich auch viele Mischformen.
Und die Natur entlang der russischen Grenze ist Baum-reich und saftig - und entlang der chinesischen Grenze im östlichen Teil der Mongolei gibt es sehr spektakuläre Vulkan- und Gesteinsformationen.

Das Licht, die Luft und auch die Flora und Fauna geben dem Ganzen dann noch einen ganz besonderen Reiz. Diese scheinbar grenzenlose Weite mit den freien, großen Tierherden (Pferde, Rinder, Ziegen und Schafe) ist einfach beeindruckend.

Und Infrastruktur im Sinne von was man so zum Leben braucht gibt es durchaus. In den Bezirken (Aimags und Sums), in die die Mongolei eingeteilt ist gibt es größere und kleiner Zentren, die schon immer Schulen und Ärzte zu bieten hatten. Mittlerweile gibt es auch mehrere kleine (oder auch größere) Supermärkte, die fast alles im Angebot haben. Und auch Tischtennis konnten wir spielen in einer Location, die auch Billard im Angebot hatte und von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gut besucht war.

Eine ganz besondere Art des Einkaufens war der Erwerb eines Schafs bei einer Nomadenfamilie. Erst wurde es aus der Herde rausgefangen - ganz schön spannend und aufwändig - und nach der Tötung fachmännisch in alle Einzelteile zerlegt. Otschroo und Gaanaa haben das perfekt (und nicht zum ersten Mal) gemacht. Nahezu jeder Körperteil wurde verarbeitet und von uns allen binnen 14 Tagen verspeist - ein Generator-getriebener Kühlschrank im Auto und die eine oder andere solar betriebene Kühltruhe bei Nomaden sorgten für eine lange Haltbarkeit.

Für das aller Wichtigste, das Wasser, haben die Russen schon vor Jahrzehnten Tiefenbrunnen angelegt. Aus meist mehr als 40m Tiefe wird das Brauch-Wasser hochgepumpt. Es sollte zwar nicht getrunken werden, ist aber für Mensch und Tier dennoch Überlebenswichtig. Die Kosten gehen gegen Null und jede Wasserstation sieht anders aus.

Im Hinblick auf die Infrastruktur muss aber auch erwähnt werden, dass wir bei unseren vorangegangenen Reisen noch nie so viele abgegrenzte Parzellen (Anspruch auf Privateigentum) und Förderung von Bodenschätzen gesehen haben. Es ist relativ wahrscheinlich, dass die Mongolei als Land, das rein theoretisch (!) allen Mongolen zu gleichen Teilen gehört in seiner nomadischen Struktur nicht mehr sehr lange existieren wird, da internationale Großkonzerne sich schon seit Jahrzehnten den Zugriff auf die Bodenschätze (Seltene Erden, Erz und Gold) gesichert haben.

 

Kultur gibt es in der Mongolei natürlich auch. Neben der Khan-Verehrung ist das vor allem der nach 1990 wieder belebte Buddhismus, der neben Schamanismus und allgemeinem Natur-Glauben praktiziert wird. Darüber hinaus gibt es verschiedene Relikte aus grauer Vorzeit mit Stelen und Hirschsteinen - nicht immer ganz einfach herauszufinden, welchem Volk und welchem Jahrhundert zuzuordnen.

Chinggis Khan Statue Komplex bei Tsonjin Boldog

Kloster Baldan Bereeven

 

 

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© Elisabeth Gottschaller